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Information in German
Translated by Andreas Beck.
Fibromyalgie: Die Grundlagen
„Fibromyalgie (FM) ist
die häufigste Ursache von verstreuten Schmerzen“ (Bennett1995), dennoch kann die
Krankheit lange Zeit undiagnostiziert bleiben. Unsicherheit und häufige
Fehldiagnosen können eine beträchtliche Verwüstung im Leben der Patienten
hinterlassen. Jeder Experte in diesem Bereich scheint seine eigene Abschätzung
zur Zahl FM-Kranker zu haben, während der Großteil der FM Forschung nicht in
Betracht gezogen hat, dass die meisten FM Patienten myofasziale Triggerpunkte
(TrPs, engl. Trigger Points) haben, die zu ihren Symptomen beitragen oder diese
verursachen. Diese Verwirrung wird fortbestehen, bis Ärzte lernen, die
unterschiedlichen Diagnosen zu machen und interaktive Diagnosen zu stellen. FM
Patienten sind hauptsächlich weiblich, aber auch hier besteht keine Einigkeit
unter den Experten bezüglich der Prozentzahlen. Das häufigste Symptom von FM ist
zentrale Sensibilisierung (CS, engl. Central Sensitization). Das zentrale
Nervensystem (CNS) ist überempfindlich. Schmerz anderer Ursache wird verstärkt
und klingt nicht auf normale Weise ab sobald der Stimulus verschwindet.
Fibromyalgie ist keine
neue „Modekrankheit“. Jahrelang haben Mediziner verschiedene Namen dafür
erfunden, z.B. chronisches Rheuma und Fibrositis. Die meisten Ärzte haben noch
immer nicht die Fähigkeit eine angemessen Diagnose und Behandlung durchzuführen.
FM ist wie viele andere Krankheiten im Moment nicht heilbar, aber behandelbar.
Es gibt viele Möglichkeiten die Lebensqualität und Gesundheit zu verbessern. Sie
könnten Ihren Doktor mit zusammenhangslosen Symptomen wie mentale Verwirrung
oder einem Brennen in den Füßen aufsuchen, doch diese sind gewöhnlich von einem
grippeähnlichen Gefühl begleitet, welches jeden Aspekt Ihres Lebens beeinflusst.
Jedes Kapitel in „Fibromyalgia and Chronic Myofascial Pain: A Survival Manual,
edition 2“ beinhaltet Referenzen zu medizinischen Journalen am Ende des
Kapitels. Dort findet man auch Hinweise, wie man diese Materialien beziehen
kann.
Das American College
of Rheumatology, die American Medical Association, die
Weltgesundheitsorganisation und die National Institutes of Health haben FM als
legitime klinische Entität akzeptiert. Wenn Ihr Arzt „nicht an FM glaubt“, haben
Sie den falschen Arzt. Beim Travell Focus on Pain Seminar 2000 erwähnte I. Jon
Russell MD, Herausgeber des Journal of Musculoskeletal Pain, den Nutzen von MRT
(Magnetresonanztomographie), welche das Gehirn bei der Arbeit zeigt. Wenn man
bei einem gesunden Individuum auf Schmerzpunkte (engl. Tender Points) drückt,
erhält man eine minimale Auswirkung. Bei FM Patienten jedoch „ […] war das
Resultat verheerend. Das komplette Gehirn drehte durch.“ Im zentralen
Nervensystem eines FM Patienten passiert etwas, das bei gesunden Menschen nicht
passiert.
Fibromyalgie kann die
Quelle einer erheblichen Behinderung sein (Kaplan, Schmidt and Cronan, 2000).
Dies trifft besonders nach einer langen Zeit ohne adäquate medizinische
Unterstützung zu. Fast jeder mit FM weist reduzierte Koordinationsfähigkeit und
verminderte Ausdauer auf, wenngleich diese teilweise auf koexistierenden
chronischen myofaszialen Schmerz (CMP, engl. Chronic Myofascial Pain)
zurückzuführen sind.
FM ist mehr als das
Zählen von Schmerzpunkten. FM ist eine komplexe Krankheit, die von verstärkten
Schmerzen, musculoskeletalen Beschwerden und körperlichen Symptomen
charakterisiert ist. Es liegt eine generelle Störung in der Schmerzverarbeitung
des Körpers vor (Morris, Cruwys and Kidd, 1998). Eine Definition von FM ist
weitverbreitete Allodynie und Hyperalgesie (Russel, 1998). Allodynie bedeutet,
dass normalerweise schmerzlose Ereignisse als Schmerzen empfunden werden.
Hyperalgesie ist ein verstärktes Schmerzempfinden. Sie könnten sensibel auf
Gerüche, Geräusche, Licht und Vibrationen reagieren, welche andere nicht einmal
wahrnehmen. Das Geräusch, das von fluoreszierendem Licht verursacht wird, könnte
Sie ablenken. Ihr Körper interpretiert Berührung, Licht oder sogar Geräusche als
Schmerzen. Das Fehlen von Erholung spielt eine entscheidende Rolle bei FM.
Schlafstörungen, ein aufgeblähtes Gefühl und eine Intoleranz gegenüber
sportlicher Aktivität sind sehr bedeutend mit FM verbunden (Jacobsen, Petersen
and Danneskiold-Samsoe, 1993).
Neben spezifischen
Schmerzpunkten ist das grundlegende Symptom von FM der Schmerz. Bei älteren
Menschen spielen Müdigkeit, Gewebeschwellungen und Depression eine größere Rolle
als die Schmerzen (Yunus, Holt, Masi et al. 1988). Bei jungen Menschen treten
oft Beschwerden nach minimaler körperlicher Anstrengung, niedriges Fieber, zu
tiefe Körpertemperatur und Hautsensibilität auf (Reiffenberger and L. H.
Amundson, 1996). „Es ist jetzt bestätigt, dass eine Fehlfunktion im zentralen
Nervensystem hauptsächlich für das erhöhte Schmerzempfinden bei Fibromyalgie
verantwortlich ist“ (Simons, Travell and Simons, 1999 S.17). Es besteht eine
generelle, vom CNS herbeigeführte, Sensibilität im tiefen Gewebe, was die
Muskeln miteinschließt. Deshalb glauben so viele fälschlicherweise, dass FM eine
Muskelkrankheit ist. Alles, was in Gewebeschädigungen resultiert, sei es von
offensichtlicherem physischen Trauma wie einem Autounfall oder von feinen
biochemischen Schäden, kann zu einer Hypersensibilität führen (Yaksh, Hua,
Kalcheva et al. 1999). Es existieren Untergruppen von FM, die von biochemischen
Veränderungen durch die damalige Ursache der zentralen Sensibilisierung, als
auch von den biochemischen Kaskaden danach herrühren. Schmerzstimuli von TrPs
sind ausreichend um eine zentrale Sensibilisierung zu erhalten.
Die Tendenz FM zu
entwickeln könnte vererbt sein (Yunus, Kahn, Rawlings, et al. 1999). 1989 fanden
Pellegrino, Waylonis und Sommer heraus, dass FM womöglich auf einer autosomal
dominanten Basis vererbt wird. Das bedeutet, dass ungefähr die Hälfte der Kinder
eines FM Elternteils FM entwickeln werden. Je früher FM erkannt und behandelt
wird, desto einfacher kann man die Symptome kontrollieren. In Fibromyalgia and
Chronic Myofascial Pain: A Survival Manual, edition 2, gibt es ein Kapitel, das
sich mit altersbedingten Angelegenheiten beschäftigt, vom Kind bis zu Senioren.
FM ist keine
musculoskeletale Funktionsstörung (Simms, 1998). Die Dysfunktion liegt im
zentralen Nervensystem und in den Biochemikalien des Körpers. Fibromyalgie ist
eine biochemische Funktionsstörung, welche den ganzen Körper beeinflusst. Man
kann FM nicht nur im Rücken oder den Händen haben. Man hat es entweder überall
oder gar nicht. Falls Sie lokale Beschwerden haben werden diese wahrscheinlich
nicht von FM verursacht, wenngleich FM diese lokalen Symptome verstärken könnte.
Fibromyalgie ist nicht progressiv (Wolfe, Anderson, Harkness et al. 1997). Wenn
Ihre Krankheit sich mit der Zeit bedeutend verschlechtert, dann existiert ein
perpetuierender oder verschlimmernder Faktor, oder eine weitere koexistierende
Krankheit, mit denen sich noch niemand befasst hat. Wenn dieser identifiziert
wird und man sich eingehend und rechtzeitig damit auseinandersetzt, dann sollten
sich die Symptome erheblich verringern. Die Diagnose von FM schließt
koexistierende Krankheiten wie MS, Arthritis und/oder myofaszialen Schmerz,
welche durch FM verstärkt werden, nicht aus.
Fibromyalgie ist nicht
das gleiche wie CMP (Gerwin, 1999). Es besteht ein wichtiger, grundlegender
Unterschied (Simons, Travell and Simons, 1999 S.18). Es gibt keine
Fibromyalgie Triggerpunkte. Wenn Ihr Arzt oder Physiotherapeut von einem „FM
Triggerpunkt“ spricht, sollte das für Sie ein Warnhinweis sein, dass hier ein
klares Verständnisproblem vorliegt. TrPs sind ein Teil von myofaszialem Schmerz,
nicht von FM, und Ihr Behandlungsteam muss dies verstehen, um Sie richtig
behandeln zu können. Fibromyalgie ist kein chronisches Müdigkeits- und
Immundysfunktionssyndrom (CFIDS, engl. Chronic Fatigue and Immune Deficiency
Syndrome), auch wenn sie zur gleichen Familie von Dysfunktionen im zentralen
Nervensystem gehören. In einer Studie wurde das Substanz P Level der
Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit bei 15 Patienten mit CFIDS gemessen. Alle Werte
waren im normalen Bereich. Dies unterstützt die Auffassung, dass FM und CFIDS
zwei verschiedene Krankheiten sind, obwohl die Symptome sich teilweise
überlappen (Evengard, Nilsson, Lindh, et al. 1998).
In einer weiteren
Studie wird erwähnt, dass „bei FM eine physiologische Übererregtheit vorliegt.
Bei CFIDS, ganz stumpf, das genaue Gegenteil (Crofford, 1998)“.
Fibromyalgie bedeutet
nicht nur verstreuten Schmerz oder schmerzhafte Muskeln. Bei Erwachsenen, welche
die ACR Definition von FM erfüllen, treten im Allgemeinen bestimmte Eigenheiten
auf, verglichen mit denen, die diese Kriterien nicht erfüllen und chronische
verstreute Schmerzen haben (White, Speechley, Harth et al. 1999). Es gibt viele
Krankheiten neben FM, welche verstreute Schmerzen verursachen. Aufgrund von
Triggerpunkten in allen vier Quadranten des Körpers kann CMP verstreute
Schmerzen verursachen. Einige Medikamente haben den gleichen Effekt als
Nebenwirkung.
Fibromyalgie ist nicht
homogen. Die Ursache für Muskelschmerzen und Allodynie ist nicht für alle
Personen gleich, die die Kriterien des American College of Rheumatology (ACR)
für FM erfüllen (Henriksson, 1999). Bei Fibromyalgie gibt es Patienten mit
verschiedenen Mechanismen der Schmerzverarbeitung (Sorensen, Bengtsson, Ahlner,
et al. 1997). Es gibt viele Untergruppen der FM. Eine Studie hat einige dieser
Untergruppen in aussagekräftige Kategorien eingeteilt (Eisinger, Starlanyl,
Blotman, 2000) und diese Aufteilung kann bei der Entscheidung helfen, welche
Behandlungsart bei einem bestimmten Patienten eher angewendet werden sollte.
Fibromyalgie ist keine
Geisteskrankheit und darf nicht als solche kategorisiert werden. Einige FM
Patienten haben auch mentale Probleme. Einige Menschen mit Schnupfen haben auch
mentale Probleme, aber das bedeutet nicht, dass der Schnupfen durch diese
verursacht wird. Studien haben gezeigt, dass das Auftreten von geistigen
Krankheiten bei FM Patienten nicht höher ist als bei anderen chronischen
Schmerzkrankheiten (Goldenberg, 1989; Merskey, 1989).
Wir glauben, dass es
bei FM oft einen Auslöser gibt, der zu biochemischen Veränderung mit einer
anschließenden Kaskade von Symptomen führt. Zum Beispiel kann unaufhörlicher
Kummer über sechs Monate und länger FM auslösen. Ein schweres Trauma,
hinausgezögerte Wehen bei einer Geburt, Operationen am offenen Herzen,
chirurgische Intubation und sogar das Beheben eines Leistenbruches sind alle als
Auslöser von FM bekannt. Der jeweilige Ausbruch von FM hat wahrscheinlich
mehrere Gründe (Bennett and Jacobsen, 1994). Nicht alle Fälle von FM haben einen
bekannten Auslöser, der zum ersten Aufflackern der Krankheit führt. Hierbei
werden gegenwärtige Symptome noch intensiver und es entwickeln sich häufig neue.
Fibromyalgie scheint
das Ergebnis vieler Neurotransmitterkaskaden zu sein (Fibromyalgia Advocate,
Kapitel 2). Eine Neurotransmitterkaskade ist wie ein Wasserfall, der oben
beginnt und auf seinem Weg nach unten von Steinen abgelenkt wird, diese aushöhlt
und den Flusslauf verändert. Diese Kaskade kann Veränderungen im ganzen Körper
herbeiführen und selbst wieder neue Kaskaden auslösen. Wenn dies geschieht,
kommt eine Kombination von peripheren und zentralen Faktoren hinzu und die
Veränderungen werden chronisch. Das Resultat nennen wir FM. Bei jedem Patient
sind unterschiedliche „Informationssubstanzen“ auf verschiedene Arten gestört.
Es gibt viele FM Untergruppen, wobei der beste Weg FM unter Kontrolle zu
bringen, die Identifikation der perpetuierenden Faktoren und deren Kontrolle
ist. Jede Quelle lokaler Stimulation, besonders Schmerz, kann den
sensibilisierten Zustand des zentralen Nervensystems aufrechterhalten. Jede
Quelle biochemischer Dysfunktion kann das neuroendokrine System aus der Balance
bringen. Nur weil man den Schmerz oder die biochemische Dysfunktion nicht sehen
kann, bedeutet dies nicht, dass diese nicht real sind. Arbeiten Sie mit Ihrem
medizinischen Versorgungsteam, um die Probleme zu identifizieren, verändern Sie
Ihren Lebensstiel, testen Sie Medikamente und Therapien und finden Sie heraus,
was bei Ihnen hilft.
Myofaszie
Myofaszialer
Schmerz ist wahrscheinlich die am weitesten verbreitete Ursache von
muskoskeletalem Schmerz in Arztpraxen
(Imamura,
Fischer, Imamura et al.1997). Schmerz aufgrund myofaszialer Dysfunktion
ist wahrscheinlich die Quelle vieler Ihrer Symptome. Eine kleine
Veränderung in der Myofaszie kann eine bedeutende Belastung in anderen
Körperteilen verursachen.
Oberflächliche Faszie setzt an der Unterseite der Haut an. In dieser
Schicht verlaufen Kapillargefäße, Lymphknoten und viele Nerven. Das
subkutane Fett setzt daran an. Falls die oberflächliche Faszie gesund
ist kann die Haut über die Oberfläche der Muskeln gleiten. Bei
Fibromyalgie (FM) und chronischem myofaszialem Schmerz (CMP) klebt die
Faszie oft in Schichten zusammen.
Tiefe
Faszie ist viel zäher und dichter. Der Körper benutzt tiefe Faszie um
große Bereiche wie die Bauchhöhle zu trennen. Tiefe Faszie bedeckt
manche Bereiche wie ein großes Tuch, es schützt sie und gibt ihnen eine
Form. Tiefe Faszie trennt auch die Muskeln und Organe.
Es gibt
eine dritte Faszienschicht die sich subseröse Faszie nennt. Sie ist
loses Gewebe welches die inneren Organe und die sie befeuchtenden Blut-
und Lymphgefäße enthält. Selbst die Zellen haben eine Art Cytoskellet
das mit dem Fasziennetz verbunden ist. Dieses gibt den Zellen eine Form
und ermöglicht ihre Funktion. Myofaszie ist Faszie die in Verbindung zu
Muskelgewebe steht. Gesunde Myofaszie erlaubt Kompression, Spannung und
Entspannung.
Faszie ist
auch das Material welches Adhäsion und Narbengewebe bildet. Bei
Gesundheit hat die Grundsubstanz eine gelatineartige Konsistenz damit
sie die Kräfte von Bewegungen oder eines Traumas abfangen kann. Wenn die
Grundsubstanz hart wird ist es als ob Kleber oder Zement in den
Faszienraum gekippt worden wäre (Barnes, 1990).
In der
Myofaszie gibt es ein Material namens Grundsubstanz. Der
Grundsubstanzanteil der Faszie kann wie lose Gelatine, Gel-Schaum bei
medizinischen Verpackungen oder Styropor sein. Sie kann sich verhärten
und ihre Elastizität verlieren. Wenn die Grundsubstanz sich von einer
Flüssigkeit in ein Gel und dann in eine noch härtere Form verwandelt
zieht sich die Myofaszie zusammen. Diese geht dann ohne fremde
Intervention nicht mehr in den flüssigeren Zustand zurück. Eine der
Hauptaufgaben der Grundsubstanz ist der Nährstofftransport vom Ort der
Aufspaltung zum Verwendungsort und der Abtransport von Abfallprodukten
aus diesen Gebieten. Dieser Austausch und Transport mittels Diffusion
findet in der Grundsubstanz statt.
Faserförmige Myofaszienadhäsion kann sich überall entlang der Nerven
bilden und die gesunde Funktion blockieren. Zu oft wurde Faszie von der
medizinischen Welt als Verpackungsmaterial betrachtet, einfach nur
Bindegewebe zwischen zwei funktionalen Gebieten. Faszie ist das lebende
Netz welches alle Körpergewebe miteinander verbindet. In diesem Netzwerk
fließen Flüssigkeiten welche grundlegende Biochemikalien enthalten, die
der Körper zur Funktion benötigt. Wenn die Faszie dysfunktional ist, ist
der Körper dysfunktional. Wir betreten die Ära der myofaszialen Medizin
und die Forschung in diesen Gebieten ist verblüffend. Es gibt große
Hoffnung für Menschen mit myofaszialen Fehlfunktionen. Viele der
Symptome die Sie haben könnten von myofaszialen Trigger Points (TrPs)
kommen (dt.: Triggerpunkte).
Chronischer
Myofaszialer Schmerz (CMP)
Die erste Stufe des chronischen
myofaszialen Schmerzes (CMP) ist CMP ohne zentrale Sensibilisierung
und entsteht oft durch das Fehlen einer prompten Diagnose, einer
adäquaten Behandlung und durch fehlende Kontrolle von
perpetuierenden Faktoren. Die zweite Stufe des CMP beinhaltet
zentrale Sensibilisierung. Ein Beispiel wie sich myofasziale
Triggerpunkte (TrPs) verbreiten können: Sie arbeiten
an einem Schreibtisch in der Nähe eines Lüfters während kalte Luft
Ihnen an die rechte Seite des Nackens bläst. Diese konstante
Kühlung Ihrer Muskulatur belastet die rechte Seite der Musculi
scaleni. TrPs in diesen Muskeln verursachen eine leichte Neigung des
Kopfes, was zu einer Belastung auf der linken Seite des Nackens
führt, da der Körper die unausgeglichene Gewichtsbelastung zu
kompensieren versucht. Dies führt zur Entwicklung von
Satelliten-TrPs in der linken Seite Ihres Nackens und kann auch noch
mehr TrPs auf der rechten Seite verursachen, wenn andere Muskeln
versuchen, die Überlastung durch die geschwächte Scaleni Muskulatur
zu vermindern. Belastungen, die durch die Schmerzausstrahlung der
Musculi scaleni verursacht werden, führen zur Entwicklung von TrPs
im Musculus levator scapulae auf der rechten Seite. Dies verursacht
einen steifen Nacken. Ihre Schulter wird auf dieser Seite
hochgezogen, da TrPs Schmerzen am Ende des Bewegungsradiuses
verursachen. Die Muskeln der linken Bauchseite unter den Rippen
werden zusammengedrückt und es entwickeln sich sekundäre TrPs im
Musculus latissimus dorsi auf dieser Seite. Diese TrPs führen zu
einer flachen Atmung, was wiederum TrPs in der restlichen
Atemmuskulatur verursacht. Ihre Wirbelsäule entwickelt eine Drehung
um diese schmerzhaften Muskeln zu schützen indem sich der untere
Bereich der Wirbelsäule in die eine Richtung dreht und der oberen
Bereich in die andere. Dies nennt sich Rotoskoliose, was zu einer
anterioren Kompensationsrotation des Beckens führt. Dieser Prozess
kann weitergehen bis der komplette Körper mit TrPs bedeckt ist.
Die Sensibilisierung autonomer Nerven durch
TrPs kann Symptome im autonomen Nervensystem
verursachen. Dysfunktionen autonomer Art sind abnormale Schweißbildung,
tränende Augen, ein andauernder Schnupfen, exzessive Speichelbildung
oder Gänsehaut. TrPs können auch propriozeptive Störungen mit sich
bringen. Propriozeptoren sind Rezeptoren der räumlichen Wahrnehmung,
unter anderem geht es hierbei um die Relation zu anderen Objekten
als auch die Relation verschiedener Körperteile zueinander. Sie sind
nicht tollpatschig, Sie haben eine propriozeptive Fehlfunktion! Eine
propriozeptive Fehlfunktion kann Gleichgewichtsstörungen,
Schwindelgefühl, ein Klingeln in den Ohren und gestörte
Gewichtswahrnehmung beim Hochheben von Objekten mit sich bringen.
Sie könnten sich in die Zunge oder ins Zahnfleisch beißen, falls
ihre Zähne nicht wissen wo der Rest des Mundes sich befindet.
Zentrale TrPs sind gewöhnlich
im Bauch des Muskels, wo die motorischen Endplatten zu finden sind.
Sie verursachen lokale Empfindlichkeit, fortgeleiteten Schmerz,
veränderte Wahrnehmung, fortgeleitete motorische Fehlfunktion und
übertragene autonome Veränderungen durch Sensibilisierung lokaler
Nerven und daraus resultierenden Veränderungen im zentralen
Nervensystem. Ansatz-TrPs treten in einer schmerzempfindlichen
Umgebung auf, in welcher der Muskel an andere Strukturen ansetzt.
Dies kommt von der Überlastung des Muskelansatzes durch die konstant
erhöhte Spannung im „taut band“ (dt.: gespanntes Band im Muskel).
Als Antwort darauf entwickelt dieses Gewebe Veränderungen, die
wahrscheinlich Reizstoffe produzieren und möglicherweise lokale
Nozizeptoren sensibilisieren (Simons, Travell and Simons, 1999,
S.76). Ansatz-TrPs werden durch die konstant erhöhte Spannung der
Muskelfasern mit zentralen TrPs verursacht. Ansatz-TrPs sind oft
Triggerpunkte in Sehnen und Bändern. Diese reagieren oft auf Eis,
wohingegen zentrale TrPs besser auf feuchte Wärme reagieren solange
kein Nerv eingeklemmt ist. Die andauernde Sperre durch
Schmerzimpulse von multiplen TrPs kann die zentrale Sensibilisierung
der Fibromyalgie (FM) erhalten. FM verstärkt den Schmerz und andere
Symptome von TrPs.
Erinnern Sie sich daran, dass
es keine FM-Triggerpunkte gibt! TrPs sind Teil des myofaszialen
Schmerzes. Im Gegensatz zu FM Schmerzpunkten können TrPs Schmerz in
andere Regionen des Körpers ausstrahlen. Fortgeleiteter Schmerz ist
nicht nur bei TrPs zu finden. Viele Menschen haben schon vom Schmerz
gehört, der während eines Herzinfarkts den Arm hinunter ausgestrahlt
wird. Während schmerzhaften Monatsblutungen fühlen viele Frauen auch
Schmerzen in den Oberschenkeln.
„Wenn die
myofasziale Natur der Schmerzen unerkannt bleibt, wie es zum
Beispiel bei TrPs in den Brustmuskeln, welche Kardialschmerzen
imitieren, der Fall ist, werden die Symptome wahrscheinlich als
neurotisch, psychogen oder verhaltensbasiert diagnostiziert. Zum
Elend des Patienten kommen dann noch Frustration und Selbstzweifel
hinzu, während zugleich eine angemessene Diagnose und Behandlung
verhindert werden.“ (Simons, Travell and Simons, 1999, S.14)
Die lokalen
Gewebeveränderungen in TrPs sind denen von mechanisch
herbeigeführten Muskelschäden sehr ähnlich. Im akuten Stadium werden
sie von Ödemen begleitet; im chronischen Stadium von lokaler Fibrose
(Pongratz und Spath, 1997). Triggerpunkte in der Haut verursachen
oft ein beißendes, mittelstarkes Stechen, Kribbeln oder
Taubheitsgefühl. Triggerpunkte in Narben können ein Brennen,
Kribbeln oder blitzartiges Stechen verursachen. „ Ein beträchtlicher
Anteil chronischer Schmerzen aufgrund von TrPs hätte durch prompte
Diagnose und angemessene Behandlung verhindert werden können... Wenn
die myofasziale Natur der Schmerzen unerkannt bleibt...werden die
Symptome wahrscheinlich als neurotisch, psychogen oder
verhaltensbasiert diagnostiziert. Zum Elend des Patienten kommen
dann noch Frustration und Selbstzweifel hinzu, während zugleich eine
angemessene Diagnose und Behandlung verhindert werden... Die
Gesamtbelastung ist unberechenbar, jedoch enorm, und der Großteil
davon unnötig.“ (Simons, Travell and Simons, 1999)
Einige
Mediziner und Zahnärzte verwenden den Ausdruck „myofasziales
Schmerzsyndrom“ um sich
auf eine TMJ Dysfunktion zu beziehen. Dies ist verwirrend und
veraltet. TMJ Dysfunktion kann durch TrPs verursacht werden, aber
chronischer myofaszialer Schmerz kann im ganzen Körper auftreten.
Wenn sich chronischer myofaszialer Schmerz entwickelt, können die
sich überlappenden Zonen der ausgestrahlten Schmerzen selbst unter
erfahrenen Dienstleistern, welche sich mit TrPs in einzelnen Muskeln
auskennen, Verwirrung stiften. Myofaszialer Schmerz ist kein
Syndrom mehr, wir bevorzugen den Ausdruck CMP anstatt MPS, um
anzuzeigen, wie weit verbreitet dieser Zustand als echte Krankheit
ist.
Sobald Ärzte und Therapeuten CMP zu erkennen lernen, sind sie
überrascht wie verbreitet er ist. Ein Grund dafür, dass CMP
existiert, sind unerkannte und unbehandelte einzelne TrPs! Frühe,
aggressive Behandlung von myofaszialen Schmerzen gibt dem Patienten
eine viel bessere Chance Heilung zu erfahren (McClaflin, 1994). Wenn
Fortschritt im Beseitigen der perpetuierenden Faktoren gemacht wird,
werden selbst bei CMP die involvierten Muskeln behandelbar.
Innerhalb der International Myopain Society (Gesellschaft für
myofaszialen Schmerz) hat sich eine spezielle Interessengruppe für
die myofasziale Triggerpunktdiagnose und -behandlung gebildet,
welche einen Lehrplan für die myofasziale Medizin entwickelt. Es
gibt auch eine Bewegung, die sicherstellen will, dass wir separate
medizinische Codes (für die Versicherung und andere Zwecke) für FM
und CMP erhalten. Bitte drängen Sie ihren Arzt dieser Organisation
beizutreten. In der Mitgliedschaft ist ein Abonnement des „Journal
of Musculoskeletal Pain“ enthalten.
FM und Chronische
Myofasziale Schmerzen
Fibromyalgie (FM)
und chronische myofasziale Schmerzen haben Muskelschmerzen als Symptom. Dies
hat dazu geführt, dass viele Personen mit bilateralen oder weit verteilten
Schmerzen mit FM diagnostiziert wurden, obwohl sie in Wirklichkeit CMP oder
andere Arten von Muskelschmerzen hatten. FM wird mit einem hypersensiblen
zentralen Nervensystem assoziiert, was man auch zentrale Sensibilisierung
(CS, Central Sensitization) nennt. CS verstärkt unter anderem die Schmerzen
und andere Symptome myofaszialer Triggerpunkte (TrPs) und anderer
Schmerzerzeuger. Manche Patienten haben nur mehrere TrPs und werden mit FM
fehldiagnostiziert. Einige habe CMP Stufe 2, also CMP mit zentraler
Sensibilisierung, jedoch auch noch einige lokale TrPs. TrPs können Schmerzen
im gesamten Körper (in allen 4 Quadranten) mit sich überlappenden
Schmerzausstrahlungszonen erzeugen, obwohl die Schmerzerzeuger von
individuellen TrPs stammen. Der Schmerz durch TrPs ist ausreichend, um die
zentrale Sensibilisierung aufrecht zu erhalten, wobei die benötigte Menge an
Stimuli zur Aufrechterhaltung geringer ist als die zur Initiierung
notwendige. FM kann auch Muskelschwäche, andere Dysfunktionen und
propriozeptive sowie autonome Symptome der TrPs verstärken. Im Moment gibt
es für FM keine Heilmethode, auch wenn es viele hilfreiche Behandlungsformen
gibt. Es gibt Heilmethoden für viele der anderen Ursachen von
weitverbreiteten Schmerzen, aber Ihr Arzt muss verstehen lernen, dass nicht
jede Art von weitverbreiteten Schmerzen FM bedeutet.
Die Literatur zur
Fibromyalgie ist voller Referenzen zu myofaszialem Schmerz als regionales
Syndrom, im Gegensatz zu Fibromyalgie als weitverbreitetes Syndrom. Dies ist
ein besonders gefährliches Konzept bei chronischen Schmerzen, wo
myofaszialer Schmerz gerne verallgemeinert wird (Gerwin 1999). Die
Mitglieder eines medizinischen Versorgungsteams müssen verstehen, dass
komplexe, sich überlappende Schmerzausstrahlungszonen bei CMP Patienten
auftreten. Sobald die perpetuierenden Faktoren eliminiert oder minimiert,
und die TrPs adäquat behandelt wurden, werden die Schmerzausstrahlungszonen
der einzelnen Muskeln erkennbar und diese somit behandelbar. Wenn CMP jedoch
schwerwiegender wird, koexistieren multiple andere und interaktive
Diagnosen, die man unter Kontrolle bringen muss.
Menschen mit FM
und CMP stehen nicht nur den zwei Klassen von Symptomen beider Krankheiten
gegenüber. Physiotherapie und alle anderen Behandlungsformen müssen
vorsichtig fortgeführt werden. Jede versuchte Behandlung wird komplizierter
und erfolgloser sein, als wenn der Patient nur eine der beiden hätte. Es
gibt unzählige Variationen von FM mit so vielen möglichen aussagefähigen
Substanzen (Hormone, Neurotransmitter, Peptide, etc.) und Gleichgewichten,
die auf so vielfältige Art betroffen sein könnten. Fügt man dies den
möglichen Kombinationen von TrPs und den möglichen Kombinationen
perpetuierender Faktoren und koexistierender Umstände hinzu, ja dann wird
das Leben zu einer Herausforderung.
Egal wie komplex
es für den Arzt (und unsere Freunde) wird damit umzugehen, es wird unendlich
komplizierter für uns Patienten. Wir müssen mit dieser verwirrenden
Symptomzahl, oft mit einem schlecht funktionierenden Gehirn und Körper,
welche nicht sonderlich gut zu kommunizieren scheinen, und mit einer oft
überwältigend dysfunktionalen Welt kämpfen. Wir als Patienten, das ist wahr,
müssen lernen unsere Leben in den Griff zu bekommen und mit dem Besten was
wir haben zu kooperieren. Das ist es, was jeder von uns tun kann. Aber es
ist die Aufgabe unseres medizinischen Teams, uns zu unterstützen. Das heißt,
dass sie mehr als ein fröhliches „Guten Tag“ und einen Klaps auf den Rücken
bringen müssen. Wir brauchen Führung und Richtung, Verständnis und Respekt.
Wir brauchen auch Hilfe beim Auffinden der perpetuierenden Faktoren und
koexistierenden Krankheitsbildern, Hilfe dabei, diese in den Griff zu
bekommen.
Perpetuierende Faktoren
Perpetuierende Faktoren sind Umstände oder
Belastungen die eine Krankheit aufrechterhalten obwohl diese
behandelt wird. Perpetuierende Faktoren können vom Verhalten kommen,
wie zum Beispiel die Körperhaltung. Sie können biochemische Ursachen
haben, wie zum Beispiel eine unangemessene Ernährung. Auch
mechanische Ursachen wie unpassendes Schuhwerk können eine Rolle
spielen. Einige dieser perpetuierenden Faktoren sind für eine
Verschlechterung der Krankheit verantwortlich oder initiieren andere
Probleme.
Der Schlüssel zur Bewältigung von chronischem
myofaszialem Schmerz (CMP), der Schlüssel zu einer besseren
Körperfunktion mit minimaler Symptombelastung, ist eine
Identifizierung von möglichst vielen perpetuierenden Faktoren und
deren bestmögliche Kontrolle. Häufig
initiiert oder verschlechtert ein Faktor einen myofaszialen
Triggerpunkt (TrP) und ein anderer erhält ihn. Ein Sturz könnte
einen TrP aktivieren und sich wiederholende Tätigkeit auf der Arbeit
diesen erhalten. Hauptsächlich Travell und Simons haben dies in der
Literatur zum Thema TrPs dokumentiert. Ich habe herausgefunden, dass
die Identifizierung und die Behandlung von perpetuierenden Faktoren
auch bei FM oder anderen chronischen Krankheiten angebracht ist.
Viele Gegebenheiten können interaktiv werden und andere Umstände auf
verschiedene Arten beeinflussen.
Die Ursache von CMP oder FM ist normalerweise
multifaktoriell. Wenn es Ihnen trotz angemessener Therapie nicht
besser geht, gibt es einen oder mehrere perpetuierende Faktoren die
außer Kontrolle geraten sind. Manche Dinge wie genetische
Veranlagung oder ein vergangenes Trauma können Sie nicht verändern.
Aber es gibt wahrscheinlich Dinge die Sie verändern können. Diese
Veränderungen haben einen riesigen Effekt auf Ihre
Funktionsfähigkeit als auch auf Ihre Lebensqualität. Wie ein Stein
in Ihrem Schuh muss man das Problem identifizieren und akzeptieren
bevor man es lösen kann. Je früher Sie die Faktoren identifizieren
können, die ihre Gesundheit negativ beeinflussen, desto früher
können Sie Schritte unternehmen um diese zu verändern.
Sie müssen nebeneinander existierende Faktoren wie
Allergien, Infektionen, etc. identifizieren und behandeln. Lernen
und üben Sie richtiges Atmen, observieren Sie Ihre Körperhaltung und
Mechanik, finden Sie ein gutes Ernährungsprogramm, das für Sie am
besten funktioniert und es Ihnen erlaubt ein gesundes Körpergewicht
wiederherzustellen und zu halten. Behandeln Sie Verletzungen sofort
und vollständig. Schlafen Sie ausreichend. Vermeiden Sie
Verschmutzungen, essen Sie gesundes Essen und trinken Sie
ausreichend reines Wasser. Führen Sie ein Programm mit leichten
Dehnübungen und anderen Übungen durch. Balancieren Sie ihren
Stoffwechsel (dies beinhaltet das endokrine System) und stellen Sie
sicher, dass ihre Möbel auf Sie abgestimmt sind. Vermeiden Sie
Immobilität, denn diese kann TrPs verursachen. Jedoch tun dies auch
sich wiederholende Bewegungen. Sie müssen womöglich ihren Lebensstil
verändern, wie z.B. das Vermeiden von Alkohol, Kohlenhydraten oder
Koffein. Eliminieren Sie Tabak aus Ihrem Leben. Ihr medizinisches
Versorgungsteam muss verstehen, dass Sie einen Muskel mit TrPs nicht
stärken können, da er verkrampft ist. Mehrarbeit und Training mit
Gewichten sind Beispiele für unangemessene (Physio-)Therapie bei
TrPs und sind perpetuierende Faktoren.
Sie müssen ihre Grenzen respektieren und sie langsam
erweitern. Sie müssen dies auch Ihren Freunden beibringen. Nicht auf
seinen Körper zu hören ist eine weitere Form der Misshandlung.
Schmerz, Müdigkeit, Schwäche, Kribbeln, Taubheit, Schweregefühl,
Unbeholfenheit, Steifigkeit und fehlende Kontrolle sind alle Zeichen
dafür, dass etwas nicht stimmt. Lernen Sie zuzuhören und
entsprechend zu antworten. In diesem Leben bekommen sie nur einen
Körper. Kümmern Sie sich um ihn.
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